Prof. Birgit Dahlke, Literatur- und Kulturgeschichte

Prof. Birgit Dahlke unterrichtet zur Zeit in Lüneburg am Institut für deutsche Sprache, Literatur und Didaktik.
ScienceInPictures traf Prof. Dahlke privat und stellte ihr viele Fragen.
Wir fotografierten sie zu Hause und begleiteten sie zum Yoga. Ein ganz persönliches Porträt.



Was ist für Sie das größte Unglück?
Einsamkeit.

Wo möchten Sie leben?
Hier in Berlin, Prenzlauer Berg.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Nähe und Liebe. Die Sicherheit, dass ich immer von Menschen umgeben sein werde, die mir gut tun, mich annehmen mit all meinen Schwächen, Dämonen und Abgründen.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Hm… was sind „Fehler“? Zögerlichkeit, Ängstlichkeit? Ungeduld?

Ihre liebsten Romanhelden?
Ich habe keine „liebsten“ Romanfiguren, dazu begegnen mir mein Leben lang zu viele, die mich „aufwecken“, in Frage stellen, inspirieren. Mich beeindrucken weniger Figuren als Haltungen, Perspektiven und Einstellungen zur Welt und zum Leben, die RomanautorInnen durchspielen: Jorge Semprun, Primo Levi, Jane Austen, Frank
McCourt, Virginia Woolf, Imre Kertész, Jonathan Foer, Flaubert, Puschkin, Amado, Zola, Richard Powers, Marleen Haushofer, die Seghers… das ist unendlich.


Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?
Das ist schwierig, die großen Gestalten meiner Jugend Sophie Scholl, Che oder Rosa Luxemburg, sehe ich, je älter ich werde, nicht mehr so eindimensional. Es gibt Züge, die ich an ihnen schätze und bewundere, aber ich kann mich nie mit Personen identifizieren.

Ihre Lieblingsmaler?
Klee, Feininger. Das ändert sich ständig, je nachdem, welche ich gerade in einer Ausstellung im Original sehen konnte. Rothko, Botticelli, Picasso…

Ihr Lieblingskomponist?
Bach und Händel?

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?
Souveränität, Beweglichkeit, Humor, Offenheit, Selbstironie, Wärme.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?
Souveränität, Beweglichkeit, Humor, Offenheit, Selbstironie, Wärme.


Ihre Lieblingstugend?
Ehrlichkeit zu sich selbst. Und die Gabe, Schönes zu sehen, Schönes zu entdecken.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Lesen. Tanzen. Spazieren. Yoga.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?
Ich bin gern, wer und was ich geworden bin. Psychologin oder Psychotherapeutin wäre ich wohl auch gern geworden.

Ihr Hauptcharakterzug?
Begeisterungsfähigkeit und Konsequenz. Ausdauer, langer Atem – obwohl ich im Kleinen eigentlich ein ungeduldiger Mensch bin, aber im Großen habe ich einen langen Atem.

Was schätzen Sie bei ihren Freunden am meisten?
Dass sie merken, wenn es mir nicht gut geht.
Dass sie mir beistehen.
Dass sie so anders sind als ich.

Ihr größter Fehler?
Dass ich mich mitunter von Autoritäten, Menschen, deren Wissen und Arbeit ich schätze, einschüchtern lasse.

Ihr Traum vom Glück?
Lieben und Geliebtwerden. Ich stelle mir Glück nicht als Leben auf einer Südseeinsel vor, meine Glücksvorstellung ist eher sozial. Wärme, Liebe, Vertrauen, Vertrautheit. Eine innige Verbundenheit, wie sie zwischen mir und meinen Kindern, mir und meinen Liebsten, mir und meinen FreundInnen besteht.

Was möchten Sie sein?
Wer ich bin.

Ihre Lieblingsfarbe?
Blau …. und grün? Das wechselt doch. Diese absoluten Fragen kann ich schlecht beantworten, sie sind zu „statisch“, so bin ich nicht in der Welt.

Ihre Lieblingsblume?
Alle Blumen, die duften. Alle außer Nelken.

Ihr Lieblingsvogel?
Alle, die singen.

Ihr Lieblingsschriftsteller?
Kafka und Kleist? Die RomantikerInnen?

Ihr Lieblingslyriker?
Goethe?

Ihre Heldinnen in der Wirklichkeit?
Berufstätige Mütter mit Zwillingen.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?
Nina Simone und Josephine Baker? Nein wirklich, ich habe keine „Heldinnen“.

Ihre Lieblingsnamen?
Teresa, der Name meiner Tochter.

Was verabscheuen Sie am meisten?
Feigheit, Opportunismus, Ignoranz, Oberflächlichkeit, dumme Dumpfheit und Brutalität.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?
Da gibt es jede Menge. Es sind zu viele, als dass ich sie aufzählen möchte.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?
Keine.

Welche Reform bewundern Sie am meisten?
Die Demokratisierung Deutschlands. Gerade, als ich etwas länger im Ausland lebte, habe ich Deutschlands demokratische Grundstrukturen, eine Art demokratischen Selbstverständnisses im Alltag, schätzen gelernt.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Singen.

Wie möchten Sie sterben?
Schnell.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Wie? Ähh?!

Ihr Motto?
Die Kunst, ganz da zu sein, im Augenblick. Innehalten. Weites Herz.

Wie begann das mit Ihnen und der Wissenschaft?
Als enthusiastische Leserin. So zwischen 14 und 16 las ich Balzac, wer weiß, was ich verstand, auf jeden Fall begann da meine Liebe zur Literatur, zur Musik, zur Kunst. Damit machte ich mich zunächst mal allein auf den Weg, bei uns zu hause gab es einige Bücher, also z.b. diesen Balzac, aber keine klassische Musik, keine Grafiken usw. Die Begegnung mit Literatur und Kunst war also Teil meines Erwachsenwerdens, das war ganz sinnlich, durchaus nicht vorrangig intellektuell.
Die Neugier auf alle Arten der Kunst und Literatur habe ich seither nie mehr verloren. Daraus dann einen Beruf zu machen, das ging als Literaturwissenschaftlerin.

Haben Sie einen Talisman?
Mit einigen Geschenken gehe ich oft wie mit einem Talisman um. Da gibt es den Ring meiner Mutter, den ich ganz bewusst aufsetze. Den Ring, den mir mein Mann zur Geburt unseres Sohnes schenkte. Oder auch den Ring, den mir meine Tochter mit auf die Reise in mein Washington-Semester gab und den ich immer dann aufsetzte, wenn ich mich dort in der Fremde etwas verloren fühlte. Bilder, eine Teekanne, eine Vase, ein Schal – einige Geschenke haben etwas Magisches für mich, sie begleiten mich. Sie wärmen mir das Herz.

Gibt es eine Weisheit, die Sie jungen Wissenschaftlern mit auf den Weg geben?
Neugier. Seid grundsätzlich neugierig, macht euch auf den Weg. Wartet nicht, bis Bücher, Bilder, Töne, Menschen zu euch finden, sucht sie euch!

PS:

Prof Dahlke bleibt noch kurz am Küchentisch sitzen und denkt nach.
Dann steht sie auf. Heute ist Sonntag. Essen mit der Tochter, Spaziergang mit dem Sohn, Telefonat mit dem Vater, abends Theater, Kino oder Treff mit dem Liebsten. Ein Blick aufs Handy, während unsere Science- In- Pictures- Fotografin alles für die Fotoaufnahmen vorbereitet.
Sie geht ihr nach und sagt nachdenklich: „Was gar nicht im Fragebogen vorkommt sind meine Kinder. Dabei machen die mich doch aus, auch als Wissenschaftlerin.“

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